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Update: 18.10.2002

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glückliche Hunde Sams Tagebuch Paten gesucht Pflegefamilien gesucht Gästebuch

Hallo, ich bin Sam,

auf diesem Bild man gerade 16 Wochen. Ich lebte auf einer Müllhalde in der Türkei und es ging mir gar nicht gut. Ich konnte nicht richtig laufen, weil mir mein hinteres Beinchen quer unterm Bauch auf der anderen Seite im Wege stand. Aber das Schlimmste war, dass ich immer Hunger und Durst hatte und schrecklich einsam war. Ich hatte keine Familie, die mich beschützt. Ich konnte mich auch keiner anderen Hundefamilie anschließen, jeder von uns ca. 500-1000 Müllkippenhunden lebt in seiner eigenen Familie. Eines Tages (17.03.01) war ich unaufmerksam und plötzlich standen zwei Menschen vor mir. Voller Panik versuchte ich zu fliehen, aber es gelang mir nicht, weil ich mich ja nur mühsam mit meinen Vorderbeinchen voranziehen konnte, auch mein Knurren und Beißen hat die Menschen nicht beeindruckt. Sie haben mich einfach mitgenommen.

Ich wurde in eine sehr merkwürdige Höhle mit seltsamen Gerüchen und Geräuschen gebracht. »Nicht bewegen«, dachte ich, »einfach nur die Wand angucken – dann beachtet mich bestimmt auch keiner mehr.«

Ich bekam irgendetwas in mein Maul rein... ich ließ es über mich ergehen... In mein Pfötchen stoch etwas, ich hörte das Wort "Infusion"... Irgendjemand sagte: "Er muss wollen, dann soll er leben! Es ist Sams Entscheidung!"

All dies geschah aber so sanft und liebevoll, dass in mir ein Gefühl von Geborgenheit aufkeimte. Meine vielen Wunden und Schmerzen wurden immer weniger. Essen und Wasser, so viel wie ich wollte. Ich fühlte eine Kraft in mir aufsteigen, die ich bisher noch nicht gekannt hatte.
Als Mama Meryam mir sagte, dass ich jetzt so weit sei, um nach Deutschland fliegen zu können, spürte ich, dass mein Leben sich von Grund auf ändern würde.

(13.4.01) Um mich rum ist sehr viel Unruhe. Wieder bekomme ich etwas in mein Mäulchen gesteckt und kurze Zeit später höre ich alle Geräuche, als wenn sie von ganz weit her kommen. Ich bin müde, aber ich habe keine Angst. Flughafen heißt dieser merkwürdige Ort... aber irgend etwas scheint nicht in Ordnung zu sein. Ich höre nur Wortfetzen: "Es hat hier gebrannt... Sie können fliegen... ohne Hund!", und meine neuen Freunde Flugpatin Frau J. & Sohn höre ich ganz energisch sagen: "Nicht ohne Sam". Und über mir flatterte ein kleiner Schutzengel...
Zwei Tage verbrachte ich mit meinen neuen Freunden direkt in Antalya. Wieder bekam ich etwas in mein Mäulchen und schlief ein....

(15.4.01) Und dann war ich auf einmal in Deutschland. Es war merklich kälter, um mich herum alles fremde Menschen, es roch etwas steril. Wieder wurde ich gepikst... Auch wenn alle so freundlich zu mir waren... ich war sehr erschöpft und fühlte mich entsetzlich einsam.


(17.4.01) Ich habe eine Familie! Ich spürte nur Wärme, Liebe, Besorgtheit und Geborgenheit, da wagte ich schon mal den ein oder anderen neugiergen Blick... Meine neue Mama zeigte mir ein Foto und sagte: "Schau, so siehst Du von Innen aus... die hellen Flecken sind alles Bleikugeln, die müssen aus dir raus. Deine Knochen sehen heile aus. Die Kniekehle deines verletzten Beinchens ist ca. 6 cm nach unten verschoben, das Knie im Gelenk um ca. 60° gedreht. Wir schicken das jetzt alles zu einem Facharzt nach Berlin." Verstanden hatte ich nichts...


 (25.04.01) "Wir machen heute einen Ausflug", sagte meine Familie. Ich kuschelte mich ins Auto und wir fuhren los... Ich wurde in der Tiho Berlin noch einmal geröntgt und auch ein Nervenfunktionstest wurde gemacht. Ich war gerade dabei, diese merkwürdigen Schläuche anzuknabbern und zu untersuchen, als meine "Mama" kam und zu mir sagte: "Wir wissen jetzt, wie es zu deiner Verletzung gekommen ist. Zwei der Bleikugeln sind in dein Rückenmark eingedrungen und haben die Nerven für dein rechte Hinterbeinchen komplett zerstört. Der Streckmuskel hat sich zurückgebildet, er ist nicht mehr vorhanden und kann auch nicht ersetzt werden. Dein Beinchen kann nicht mehr gerettet werden."

Sie wirkte so besorgt und traurig, dass ich ihr am liebsten mit meiner Zunge über die Hand geschlabbert hätte... aber das traute ich mich noch nicht. Ich verstand ihren Kummer auch gar nicht, es ging mir noch nie so gut wie jetzt.
"Ach Sam", sagte sie, "eine Amputation deines rechten Beins kann aber nur dann erfolgen, wenn dein linkes Hinterbein funktionsfähig ist. Die Nervenfunktionsuntersuchung für das linke Hinterbeinchen ist zwar o.K., aber der Streckmuskel deines Beinchens befindet sich in der Rückbildung, da du dein Bein nicht benutzt. Deine letzte Chance ist jetzt eine Physiotherapie, die den Muskel wieder stimuliert und aufbaut. Wir werden alles dafür tun, wir möchten, dass du lebst!".

(27.4.) Heute hat mich meine Mama ganz lieb in den Arm genommen und mir ins Ohr gehaucht: "Die Laborwerte der Blutuntersuchung sind da: keine Leischmaniose, Herzwürmer und ähnliche Erkrankungen! Gott sei Dank!"
(05.5.) Heute habe ich einen tollen neuen Freund bekommen. Ich habe jetzt einen eigenen Physiotherapeuten, der mich 1x die Woche so sanft massiert, dass ich dabei sogar einschlafe. Außerdem macht er noch kleine Spielchen mit mir, die aber sehr anstrengend sind. Meine Mama macht seitdem diese Spielchen (sie nennt es "Übungen") auch 2-5 Mal täglich mit mir.
Heute habe ich mal probiert mein linkes Beinchen aufzusetzen...
Zur Zeit sind 2 Ekzeme "aufgeblüht", sie sind aber am abheilen.



Dieses kleine Gehhilfe-Wägelchen (Foto rechts) hat meine Familie extra für mich anfertigen lassen, aber da kriegen mich keine 10 Pferde rein! Das ist mir nicht geheuer, soviel meine Familie mich auch bittet und lockt! Sie sagen mir, dass ich mein gesundes Beinchen stärken muss, damit das andere verschwinden kann. Und so viele Menschen hätten für mich Geld gespendet für die vielen Behandlungen, Untersuchungen etc. Aber ich will dieses kalte komische Etwas nicht, soll sich doch meine Familie etwas anderes, angenehmeres einfallen lassen! Im Haus fühle ich mich mittlerweile sicher und geborgen. Auch viele andere Hunde habe ich kennengelernt. Es ist schön zu leben.


Mittlerweile habe ich einen gesunden Appetit und fresse wie ein kleiner Weltmeister. Ich wusste gar nicht, dass Menschen so nett sein können! Jeder, der in die Praxis meines "Papas" kommt hat ein Leckerchen für mich. Mittlerweile schaue ich mir auch alles ganz genau an. Ich muss ja noch so viel lernen. Meine Familie behauptet, dass ich ganz schön frech geworden bin, dabei knuddeln sie mich... frech sein kann also nicht Schlimmes sein. Das lästige Gepikse, Pillen und Salben hat leider noch nicht aufgehört. Meine Familie sagt mir: "Du hast eine böse Pilzinfektion und Erlichiose, dein anderes Beinchen muss aufgebaut werden, sonst kannst Du nicht leben - wir bangen um dich!".


(28.5.) Heute könnt ihr endlich auch mal meine Mama und meinen Freund, den Physiotherapeuten kennenlernen. Er kommt jetzt übrigens 2x in der Woche. Die Übungen sind zwar sehr anstrengend, aber zwischendurch werde ich so angenehm durchmassiert, dass ich fast regelmäßig dabei einschlafe. Ich mag ihn sehr gerne und wenn ich höre, dass er kommt, kann mich nichts aufhalten, ihn freudig zu begrüßen. Ich bin mittlerweile auch richtig schnell im Laufen geworden.
Alle sind recht zufrieden mit mir und haben mir gesagt, dass ich jetzt bald operiert werde.

(04.07.) Heute sind alle sehr unruhig, irgendetwas liegt in der Luft!!! Selbst meine Freundin, die mich von der Müllkippe geholt hat ist da. Ich soll heute operiert werden, hat man mir gesagt. Alle sind so verkrampft fürsorglich "unbefangen", aber die Sorgenwolken in ihren Gesichtern können sie nicht vor mir verstecken! Ich habe etwas Angst als wir mit dem Auto losfahren, als ich hochschaue, sehe ich meinen kleinen Schutzengel wieder über mir, er lächelt und ich weiß, es wird alles gut!
Den neuen Doktor mag ich auf Anhieb. Ich nehme es ihm auch nicht übel, dass er mich pikst, dann schlafe ich unglaublich schnell ein.
Nach fast 2 Stunden wache ich wieder auf. Alle meine Freunde sind um mich rum, lachen und knuddeln mich und sagen: "Oh wie schön Sam! Die Hälfte Deines Weges hast Du geschafft!". Ein bisschen Zeit habe ich schon gebraucht, um zu merken, dass das lästige Anhängsel hinten verschwunden ist. Ich wollte unbedingt ausprobieren, was das für ein Gefühl ist, wenn ich aufstehe und mich ohne mein kaputtes Beinchen bewege, aber meine "Mama" überzeugte mich, dass es viel angenehmer ist, mich bei ihr anzukuscheln und gestreichelt zu werden. Naja, morgen ist auch noch ein Tag.

(09.08.) Liebe Paten, Freunde und Beschützer! Ich möchte mich bei Euch allen bedanken! Ihr habt mir mit Eurer Anteilnahme, mit Euren vielen Geldspenden und mit Eurer großen Liebe nicht nur das Leben gerettet, ihr habt mir auch beigebracht, wie schön das Leben ist! Und nun möchte ich Euch zeigen, dass ich auch ein bisschen dafür tue:


Auch Sitzen will gelernt sein...

 ... ein bisschen "Flirten" wird man ja zwischendurch wohl noch dürfen!


Und so schön gerade kann ich meinen Rücken kriegen...

Und um an diese netten Leckereien zu kommen, stütze ich mich sogar mit dem Hinterbeinchen ab... (mein Muskel hat sich gut weiter aufgebaut)


Na? Bin ich nicht ein Prachtkerl? So, und für heute habe ich meine Arbeit gut gemacht! Ich werde gleich noch ein wenig mit den anderen Hunden spielen und ein bisschen Blödsinn machen. Bis demnächst, liebe Grüße von Sam!