Hallo, ich bin
Sam,
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auf diesem Bild
man gerade 16 Wochen. Ich lebte auf einer Müllhalde in
der Türkei und es ging mir gar nicht gut. Ich konnte nicht
richtig laufen, weil mir mein hinteres Beinchen quer unterm Bauch
auf der anderen Seite im Wege stand. Aber das Schlimmste war,
dass ich immer Hunger und Durst hatte und schrecklich einsam
war. Ich hatte keine Familie, die mich beschützt. Ich konnte
mich auch keiner anderen Hundefamilie anschließen, jeder
von uns ca. 500-1000 Müllkippenhunden lebt in seiner eigenen
Familie. Eines Tages (17.03.01) war ich unaufmerksam und
plötzlich standen zwei Menschen vor mir. Voller Panik versuchte
ich zu fliehen, aber es gelang mir nicht, weil ich mich ja nur
mühsam mit meinen Vorderbeinchen voranziehen konnte, auch
mein Knurren und Beißen hat die Menschen nicht beeindruckt.
Sie haben mich einfach mitgenommen. |
Ich wurde in eine sehr merkwürdige
Höhle mit seltsamen Gerüchen und Geräuschen gebracht.
»Nicht bewegen«, dachte ich, »einfach nur die
Wand angucken dann beachtet mich bestimmt auch keiner
mehr.«
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Ich bekam irgendetwas in mein Maul
rein... ich ließ es über mich ergehen... In mein Pfötchen
stoch etwas, ich hörte das Wort "Infusion"...
Irgendjemand sagte: "Er muss wollen, dann soll er
leben! Es ist Sams Entscheidung!" |
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All dies geschah
aber so sanft und liebevoll, dass in mir ein Gefühl von
Geborgenheit aufkeimte. Meine vielen Wunden und Schmerzen wurden
immer weniger. Essen und Wasser, so viel wie ich wollte. Ich
fühlte eine Kraft in mir aufsteigen, die ich bisher noch
nicht gekannt hatte.
Als Mama Meryam mir sagte, dass ich jetzt so weit sei, um nach
Deutschland fliegen zu können, spürte ich, dass mein
Leben sich von Grund auf ändern würde.
(13.4.01) Um mich rum
ist sehr viel Unruhe. Wieder bekomme ich etwas in mein Mäulchen
gesteckt und kurze Zeit später höre ich alle Geräuche,
als wenn sie von ganz weit her kommen. Ich bin müde, aber
ich habe keine Angst. Flughafen heißt dieser merkwürdige
Ort... aber irgend etwas scheint nicht in Ordnung zu sein. Ich
höre nur Wortfetzen: "Es hat hier gebrannt... Sie können
fliegen... ohne Hund!", und meine neuen Freunde Flugpatin
Frau J. & Sohn höre ich ganz energisch sagen: "Nicht
ohne Sam". Und über mir flatterte ein kleiner Schutzengel...
Zwei Tage verbrachte ich mit meinen neuen Freunden direkt in
Antalya. Wieder bekam ich etwas in mein Mäulchen und schlief
ein....
(15.4.01) Und dann war
ich auf einmal in Deutschland. Es war merklich kälter, um
mich herum alles fremde Menschen, es roch etwas steril. Wieder
wurde ich gepikst... Auch wenn alle so freundlich zu mir waren...
ich war sehr erschöpft und fühlte mich entsetzlich
einsam. |
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(17.4.01) Ich habe eine
Familie! Ich spürte nur Wärme, Liebe, Besorgtheit
und Geborgenheit, da wagte ich schon mal den ein oder anderen
neugiergen Blick... Meine neue Mama zeigte mir ein Foto und sagte:
"Schau, so siehst Du von Innen aus... die hellen Flecken
sind alles Bleikugeln, die müssen aus dir raus. Deine Knochen
sehen heile aus. Die Kniekehle deines verletzten Beinchens ist
ca. 6 cm nach unten verschoben, das Knie im Gelenk um ca. 60°
gedreht. Wir schicken das jetzt alles zu einem Facharzt nach
Berlin." Verstanden hatte ich nichts... |

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(25.04.01) "Wir
machen heute einen Ausflug", sagte meine Familie. Ich kuschelte
mich ins Auto und wir fuhren los... Ich wurde in der Tiho Berlin
noch einmal geröntgt und auch ein Nervenfunktionstest wurde
gemacht. Ich war gerade dabei, diese merkwürdigen Schläuche
anzuknabbern und zu untersuchen, als meine "Mama" kam
und zu mir sagte: "Wir wissen jetzt, wie es zu deiner Verletzung
gekommen ist. Zwei der Bleikugeln sind in dein Rückenmark
eingedrungen und haben die Nerven für dein rechte Hinterbeinchen
komplett zerstört. Der Streckmuskel hat sich zurückgebildet,
er ist nicht mehr vorhanden und kann auch nicht ersetzt werden.
Dein Beinchen kann nicht mehr gerettet werden." |
Sie wirkte so besorgt und traurig,
dass ich ihr am liebsten mit meiner Zunge über die Hand
geschlabbert hätte... aber das traute ich mich noch nicht.
Ich verstand ihren Kummer auch gar nicht, es ging mir noch nie
so gut wie jetzt.
"Ach Sam", sagte sie, "eine Amputation deines
rechten Beins kann aber nur dann erfolgen, wenn dein linkes Hinterbein
funktionsfähig ist. Die Nervenfunktionsuntersuchung für
das linke Hinterbeinchen ist zwar o.K., aber der Streckmuskel
deines Beinchens befindet sich in der Rückbildung, da du
dein Bein nicht benutzt. Deine letzte Chance ist jetzt eine Physiotherapie,
die den Muskel wieder stimuliert und aufbaut. Wir werden alles
dafür tun, wir möchten, dass du lebst!". |
(27.4.) Heute hat mich meine
Mama ganz lieb in den Arm genommen und mir ins Ohr gehaucht:
"Die Laborwerte der Blutuntersuchung sind da: keine Leischmaniose,
Herzwürmer und ähnliche Erkrankungen! Gott sei Dank!"
(05.5.) Heute habe ich einen tollen neuen Freund bekommen.
Ich habe jetzt einen eigenen Physiotherapeuten, der mich 1x die
Woche so sanft massiert, dass ich dabei sogar einschlafe. Außerdem
macht er noch kleine Spielchen mit mir, die aber sehr anstrengend
sind. Meine Mama macht seitdem diese Spielchen (sie nennt es
"Übungen") auch 2-5 Mal täglich mit mir.
Heute habe ich mal probiert mein linkes Beinchen aufzusetzen...
Zur Zeit sind 2 Ekzeme "aufgeblüht", sie sind
aber am abheilen.

Dieses kleine Gehhilfe-Wägelchen (Foto rechts) hat meine
Familie extra für mich anfertigen lassen, aber da kriegen
mich keine 10 Pferde rein! Das ist mir nicht geheuer, soviel
meine Familie mich auch bittet und lockt! Sie sagen mir, dass
ich mein gesundes Beinchen stärken muss, damit das andere
verschwinden kann. Und so viele Menschen hätten für
mich Geld gespendet für die vielen Behandlungen, Untersuchungen
etc. Aber ich will dieses kalte komische Etwas nicht, soll sich
doch meine Familie etwas anderes, angenehmeres einfallen lassen!
Im Haus fühle ich mich mittlerweile sicher und geborgen.
Auch viele andere Hunde habe ich kennengelernt. Es ist schön
zu leben. |

Mittlerweile habe ich einen gesunden
Appetit und fresse wie ein kleiner Weltmeister. Ich wusste gar
nicht, dass Menschen so nett sein können! Jeder, der in
die Praxis meines "Papas" kommt hat ein Leckerchen
für mich. Mittlerweile schaue ich mir auch alles ganz genau
an. Ich muss ja noch so viel lernen. Meine Familie behauptet,
dass ich ganz schön frech geworden bin, dabei knuddeln sie
mich... frech sein kann also nicht Schlimmes sein. Das lästige
Gepikse, Pillen und Salben hat leider noch nicht aufgehört.
Meine Familie sagt mir: "Du hast eine böse Pilzinfektion
und Erlichiose, dein anderes Beinchen muss aufgebaut werden,
sonst kannst Du nicht leben - wir bangen um dich!".
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(28.5.) Heute könnt
ihr endlich auch mal meine Mama und meinen Freund, den Physiotherapeuten
kennenlernen. Er kommt jetzt übrigens 2x in der Woche. Die
Übungen sind zwar sehr anstrengend, aber zwischendurch werde
ich so angenehm durchmassiert, dass ich fast regelmäßig
dabei einschlafe. Ich mag ihn sehr gerne und wenn ich höre,
dass er kommt, kann mich nichts aufhalten, ihn freudig zu begrüßen.
Ich bin mittlerweile auch richtig schnell im Laufen geworden.
Alle sind recht zufrieden mit mir und haben mir gesagt, dass
ich jetzt bald operiert werde. |
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(04.07.) Heute sind alle
sehr unruhig, irgendetwas liegt in der Luft!!! Selbst meine Freundin,
die mich von der Müllkippe geholt hat ist da. Ich soll
heute operiert werden,
hat man mir gesagt. Alle
sind so verkrampft fürsorglich "unbefangen", aber
die Sorgenwolken in ihren Gesichtern können sie nicht vor
mir verstecken! Ich habe etwas Angst als wir mit dem Auto losfahren,
als ich hochschaue, sehe ich meinen kleinen Schutzengel wieder
über mir, er lächelt und ich weiß, es wird alles
gut!
Den neuen Doktor mag ich auf Anhieb. Ich nehme es ihm auch nicht
übel, dass er mich pikst, dann schlafe ich unglaublich schnell
ein.
Nach fast 2 Stunden wache ich wieder auf. Alle meine Freunde
sind um mich rum, lachen und knuddeln mich und sagen: "Oh
wie schön Sam! Die Hälfte Deines Weges hast Du geschafft!".
Ein bisschen Zeit habe ich schon gebraucht, um zu merken, dass
das lästige Anhängsel hinten verschwunden ist. Ich
wollte unbedingt ausprobieren, was das für ein Gefühl
ist, wenn ich aufstehe und mich ohne mein kaputtes Beinchen bewege,
aber meine "Mama" überzeugte mich, dass es viel
angenehmer ist, mich bei ihr anzukuscheln und gestreichelt zu
werden. Naja, morgen ist auch noch ein Tag.
(09.08.) Liebe Paten, Freunde
und Beschützer! Ich möchte mich bei Euch allen bedanken!
Ihr habt mir mit Eurer Anteilnahme, mit Euren vielen Geldspenden
und mit Eurer großen Liebe nicht nur das Leben gerettet,
ihr habt mir auch beigebracht, wie schön das Leben ist!
Und nun möchte ich Euch zeigen, dass ich auch ein bisschen
dafür tue: |
Auch Sitzen will gelernt sein...
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...
ein bisschen "Flirten" wird man ja zwischendurch wohl
noch dürfen!
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Und so schön gerade kann ich
meinen Rücken kriegen...
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Und um an diese netten Leckereien
zu kommen, stütze ich mich sogar mit dem Hinterbeinchen
ab... (mein Muskel hat sich gut weiter aufgebaut)
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Na? Bin ich nicht ein Prachtkerl? So, und für
heute habe ich meine Arbeit gut gemacht! Ich werde gleich noch
ein wenig mit den anderen Hunden spielen und ein bisschen Blödsinn
machen. Bis demnächst, liebe Grüße von Sam!
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