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Update: 31.10.2010
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Übers Körbchen geschaut -

oder eine gute Antwort auf die Frage: 
"Warum denn Hunde aus dem Ausland?"

Sams Tagebuch


 Urlaubsland Türkei - ein etwas anderer Reisebericht...

Auf dieser Müllkippe in Antalya/Türkei leben ca. 1000 Hunde in Familienverbänden. Das Elend dieser Tiere ist groß. Zwar finden sie hier ausreichend Nahrung um zu überleben, jedoch so gut wie kein Wasser. Spätestens im Sommer beginnt der grausame Kampf ums Überleben! Keiner dieser Hunde lebt länger als ein paar Jahre.


Alle Hunde auf der Müllkippe sind meisterhaft in Ihrer Tarnung. Man muss schon sehr genau hinschauen. Selten kommt man so nah heran wie an die Familie oben. In der Regel ergreifen sie bei einer Distanz von ca. 80 m die Flucht.



Das sind nur zwei von vielen "Einzelgängern". Mühsam hinken sie über das Feld. Sie können durch Knochenbrüche, die unbehandelt schief und krumm irgendwie wieder zusammengewachsen sind, kaum laufen.
Für die schlechten Fotos bitten wir um Entschuldigung. Aber hier leben Hunde auf der Flucht vor dem Menschen! Wir liefen durch unglaublichen Gestank und Elend....

Der kleine ca. 4 Monate alte Sam ist nur einer von vielen, aber ihn konnten wir in unsere Obhut bringen (siehe Sams Tagebuch). Er wurde das Opfer von türkischen Freizeit-Hobby-Schützen, die auf die wehrlosen Tiere ballern und sie verletzt und hilflos ihrem Schicksal überlassen.
Sam hat mittlerweile in Deutschland ein neues Zuhause gefunden.

 


Wir konnten ihnen nicht helfen. Sie waren sehr scheu und misstrauisch und ließen uns nicht nah genug heran, um sie in Sicherheit bringen zu können.
Schon sehr früh lernen die Kleinen, für sich selber zu sorgen. Diese fünf ca. 4 Mo. kleinen Welpen haben sich ihr Domizil am Rand der Müllkippe ausgesucht. Sie werden ihr kurzes Leben damit verbringen, sich auf der Suche nach Essen auf der Müllkippe die Pfoten aufzuschneiden, vielleicht verdursten, vielleicht vergiftet werden, Opfer von "Freizeithobbyschützen" werden, die sich einen Spaß daraus machen, auf Hunde zu schießen (wenn sie das überleben, werden sie jämmerlich an den Bleikugeln in ihren kleinen Körpern, die sich auflösen, sterben - der Bleigehalt greift die Nerven an, Kugeln reiben an den Gelenken, ein qualvoller Tod).

Das Feld des Todes

Um die Müllkippe herum sind Felder und Wälder. In den Morgenstunden sieht man viele Hundefamilien: die Junghunde toben und spielen, der Rest döst vor sich hin, genießt die ersten wärmenden Strahlen der Sonne....
Am nächsten Tag fanden wir am gleichen Ort mit Entsetzen folgendes Szenarium:


Das Gift


Der Köder, mit Gift bestreut...


... oder weitflächig auf der Erde




Diese Hündin hat Welpen!



... das sind nur einige der ca. 40 toten Hunde, die im direkten Umkreis der Giftköder lagen. Viele davon waren Hündinnen, die noch Babys zu versorgen hatten (man konnte das am Gesäuge sehen). Zwei Hunde, die erkennbar das Gift gefressen hatten, flüchteten vor uns in die Wälder, sie sind dort elendlich gestorben und wir wissen nicht wie viele noch. Das einzige was wir tun konnten, war das Gift mit Steinen abzudecken.


 ... wenigstens ihm konnten wir helfen

Selbst im Todeskampf noch ein Meister des Versteckens! Er konnte jedoch nicht mehr weglaufen, das Gift hatte ihn schon
zu sehr gelähmt
.

 

Er liess alles über sich ergehen ... das Verfrachten ins Auto, die Fahrt, die Behandlung beim Tierarzt ...

Wir kämpften die ganze Nacht um sein Leben, hängten ihn im Badezimmer noch einmal an den Tropf, gaben ihm Vitaminspritzen, holten telefonisch Ratschläge von einem Tierarzt in Deutschland ein ... und wir waren voller Freude, als er endlich in den Morgenstunden aufstand, um das viele Gift und die Infusionen auszupinkeln.
So ein friedlicher Kerl! Er mochte die Menschen nicht, das war ihm deutlich anzumerken. Aber nicht ein einziges Mal schnappte er nach uns. Selbst die Desinfektionswäsche ließ er über sich ergehen. Wir behandelten noch seine aufgeschnittenen Pfoten ....
 
... er wollte seine Freiheit! In der 4. Nacht suchte und fand er einen Weg - wir haben ihn nicht mehr gesehen. Er hat das Gift überlebt, mehr konnten wir nicht für ihn tun.

 ... und wieder zurück zur Müllkippe:
Wir mussten doch versuchen, die Babys, der toten Mütter zu finden!



Unerwartete Hilfe bekamen wir aus diesem Müllkippendorf! Rechts ist diese riesige Müllkippe, dann ein ca. 2 m breiter Weg, und dann dieses "Dorf", in dem Zigeuner und Kurden leben. Die Bewohner: unglaublich stolze Menschen, die sich in all diesem Elend ihre Würde bewahrt haben. Ich habe deshalb nur diese Ansammlung der "Wohnungen" ohne ihre Einwohner fotografiert! So oft habe ich sie vor ihren Hütten die Mahlzeit zubereiten sehen, umgeben von unglaublichen Gestank! Immer freundlich und hilfsbereit zu uns. Schon die Kleinsten (ca. 5 J.) arbeiten (durchwühlen die Müllkippe nach Verwertbarem). Keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen, keine Möglichkeit, hier einmal heraus zu kommen.... Wir haben nicht nachgefragt, aber wir sind uns sicher: Auch ihre Babys bekommen die Frauen ohne Hilfe hier auf dieser Müllkippe!
Wenn schon diese Menschen keine Chance haben....
 
Diese kleinen Bewohner kennen sich bestens auf der Müllkippe aus. Sie zeigten uns viele Verstecke der Hunde und brachten uns die kleinen Welpen. Wir wollten ihnen Geld geben, aber sie nahmen es nicht an! Wir baten sie, nach weiteren Welpen zu suchen. Am nächsten Morgen sagten sie uns mit Bedauern, dass sie leider nicht weitersuchen konnten, weil sie arbeiten mussten. Wenigstens nahmen sie gnädig unsere Schokoriegel an...
Wir wühlten dann noch ein wenig direkt auf der Müllkippe und konnten einige weitere Welpen in unsere Obhut nehmen ....

... nur ein Tropfen auf dem heißen Stein!

So viele Hundebabys... und wir haben mit Sicherheit nur einem Bruchteil helfen können. Wir konnten Sie vorübergehend bei türkischen Tierschützern unterbringen, die sich liebevoll um ihre Aufzucht und auch Impfungen kümmerten.

 

Leider verselbstständigte sich die Lage... für die von uns eingesammelten Babys konnten wir finanzielle Unterstützung (u.a. vom Glückshof) bekommen, aber dem "Babyboom" (innerhalb von 1 Woche über 30 Welpen) standen wir hilflos gegenüber. Wir hatten keinen Einfluss mehr auf die Korrektheit der Impfungen und den Verbleib der Welpen... Auch wurden wir von den türkischen Tierschützern beschuldigt, mit ihnen "Werbung" zu betreiben und Spenden nicht weiterzuleiten. Sie wollten die Welpen sogar wieder auf die Müllkippe bringen ... Eine Zusammenarbeit war nicht mehr möglich.

Insgesamt haben wir 22 Babys nach Deutschland holen können und alle haben ein wunderbares neues Zuhause gefunden. Alle hatten nur die Tollwutimpfung, so dass eine Grundimunisierung erfolgen musste. Die kleine Rasselbande hat uns zwar gut in Atem gehalten, aber auch viel Freude bereitet.